Kirchheim Knights

H1 | Kirchheimer Basketballer übertreffen alle Saisonziele und steigen auf

Die erste Herrenmannschaft des VfL Kirchheim hat den größten Erfolg der vergangenen 20 Jahre erreicht. Nach einer außergewöhnlichen Saison sicherten sich die Teckstädter durch ein 77:77 bei den Bona Baskets Limburg den Aufstieg und krönten damit eine Spielzeit, die selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen hat.

Nach über drei Stunden Anreise erreichten Mannschaft und die mitgereisten Unterstützer die Thielemannschulsporthalle in Limburg. Zwar mussten die Kirchheimer auf Yannick Abele verzichten, zudem gingen Mirsad Haziri und Alexander Stief angeschlagen in die Partie. Dafür stand mit Nil Failenschmid dank des spielfreien Wochenendes der Profis ein wichtiger Verstärkungsspieler für sein letztes Regionalligaspiel zur Verfügung.

Die Gastgeber erwischten den besseren Start und eröffneten die Partie durch einen Dreier von Pavic, einem der beiden Neuzugänge im Vergleich zum Hinspiel. Kirchheim antwortete mit seiner körperlichen Präsenz unter dem Korb und ging durch Treffer von Andreas Nicklaus und Alexander Stief zunächst in Führung. Limburg fand jedoch immer wieder Lösungen gegen die aggressive Verteidigung der Gäste und traf allein im ersten Viertel vier Dreipunktewürfe. Nach zwei Freiwürfen von Moritz Lemke zum 23:26 gelang den Hausherren mit der Schlusssirene noch ein And-One. Nach zehn Minuten lag der VfL mit 23:29 zurück, hatte durch den Neun-Punkte-Vorsprung aus dem Hinspiel aber weiterhin alle Trümpfe in der Hand.

Das änderte sich zu Beginn des zweiten Viertels. Kapitän Andreas Nicklaus musste nach zwei schnellen Fouls auf die Bank, und die Bona Baskets nutzten die Unsicherheiten der Kirchheimer konsequent aus. Ein 13:0-Lauf brachte die Halle zum Kochen und die Gastgeber auf Aufstiegskurs. Coach Marco Wanzke reagierte mit einer weiteren Auszeit und stellte sowohl offensiv als auch defensiv um. Die Wirkung war sofort sichtbar. Angeführt von Neil Schwanenberg, der nun deutlich besser ins Spiel fand, starteten die Kirchheimer einen 13:3-Lauf und verkürzten bis zur Halbzeit auf 41:44.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie intensiv. Während Pavic erneut zwei Dreier für Limburg traf, hielt Nicklaus auf der Gegenseite dagegen. Nach einem Distanztreffer von Haziri war die Führung beim 54:53 zurückerobert. Das vierte Foul von Nicklaus brachte jedoch erneut einen Bruch ins Kirchheimer Spiel. Limburg nutzte das Momentum und setzte sich bis zum Ende des dritten Viertels wieder auf 65:59 ab.

Während die Limburger nach einer schwachen Dreierquote im Hinspiel diesmal zehn Würfe von außen versenkten, erwischten die Kirchheimer ausgerechnet im wichtigsten Saisonspiel einen ihrer schwächsten Tage von der Dreierlinie. Lediglich fünf ihrer 25 Versuche fanden den Weg durch den Ring. Entsprechend blieb die Begegnung bis in die Schlussphase völlig offen.

Das Schlussviertel entwickelte sich zu einem echten Nervenspiel. Immer wieder wurde der Spielfluss durch Probleme am Kampfgericht unterbrochen. Die Schiedsrichter mussten die Partie mehrfach minutenlang stoppen, unter anderem weil die Besetzung am Kampfrichtertisch zweimal gewechselt werden musste. Die langen Unterbrechungen kamen den Gastgebern mit ihrer kurzen Rotation entgegen. Zusätzlich sorgten einige Entscheidungen für Diskussionen, nachdem zwei Kirchheimer Korberfolge aufgrund von Fehlern am Kampfgericht wieder annulliert wurden.

Dennoch kämpfte sich der VfL Punkt für Punkt zurück. Obwohl fünf von sechs Freiwürfen in der entscheidenden Phase ihr Ziel verfehlten, verkürzten die Kirchheimer den Rückstand kontinuierlich. Die Verteidigung präsentierte sich dabei aufstiegswürdig und ließ nur wenig zu. Als Limburgs Kapitän Stallbohm in der Schlussminute einen schwierigen Dreier traf, keimte bei den Gastgebern noch einmal Hoffnung auf. Doch Alexander Stief antwortete unmittelbar und stellte den 77:77-Endstand her. Ein ungewöhnliches Ergebnis im Basketball – doch durch den direkten Vergleich aus Hin- und Rückspiel reichte es den Kirchheimern zum Aufstieg.

Mit der Schlusssirene brachen alle Dämme. Die Bank stürmte auf das Feld, Spieler und Trainer lagen sich in den Armen und feierten mit eigens vorbereiteten Aufstiegssonnenbrillen den unerwarteten, aber verdienten Erfolg.

„Chapeau, wie cool die das Ding runtergespielt haben“, lobte Trainer Marco Wanzke seine Mannschaft nach dem Spiel. „Dieser Kampf in diesem Spiel hat diese Achterbahn-Saison nochmal gut zusammengefasst.“

Auch Kapitän Andreas Nicklaus und Co-Trainer Labinot Haziri konnten ihr Glück kaum fassen: „Hätte uns das vor der Saison jemand gesagt, hätten wir denjenigen für verrückt erklärt.“

Damit ist die Mission erfüllt. Oder um es mit den Worten von Basketball-Superstar Nikola Jokić zu sagen: „When is parade?“

Nach dem erfolgreichsten Wochenende der jüngeren Kirchheimer Basketballgeschichte ist diese Frage durchaus berechtigt. Die Ehrung der Aufstiegsmannschaft findet am Donnerstag in der Halbzeit des Finalspiels zwischen den Kirchheim Knights und den Phoenix Hagen statt.

Es spielten:
X. Lee Boyd (5/1 Dreier), N. Failenschmid Clavera (12/1), C. Fansi (3), M. Haziri (6/1), M. Lemke (2), V. Ebai Ndip, A. Nicklaus (8), E. Paqarada (5/1), N. Schwanenberg (19/1), A. Stief (17).