Kreisbau Knights Kirchheim

Mit der richtigen Haltung zum Erfolg: Kirchheimer JBBL-Nachwuchs begeistert beim 99:74 gegen Ulm

Mehr als ein Sieg: Die VfL Kirchheim Knights überzeugen als Aufsteiger mit beeindruckender Entwicklung, außergewöhnlichem Teamgeist und einer klaren Philosophie in der Nachwuchsarbeit.

Kirchheim unter Teck, 26. Oktober 2026 – Erfolg beginnt nicht mit dem Ergebnis auf der Anzeigetafel. Er beginnt mit der eigenen Haltung. Dass diese Philosophie bei den jungen Basketballern der VfL Kirchheim Knights zunehmend Früchte trägt, zeigte sich am vergangenen Wochenende gleich mehrfach.

Am Samstag erschien nahezu die gesamte Mannschaft zu einer freiwilligen, zweistündigen Individualtrainingseinheit. Am Sonntag folgte ein überzeugender 99:74-Heimsieg gegen das renommierte Nachwuchsprogramm von ratiopharm ulm.

Für Headcoach Brian Wenzel stehen beide Ereignisse in einem unmittelbaren Zusammenhang.

„Wir haben Spieler, die bereit sind, freiwillig zusätzliche Wege zu gehen. Niemand musste am Samstag in die Halle kommen. Trotzdem waren praktisch alle da, weil sie an sich arbeiten und besser werden wollten. Genau diese Haltung ist es, die wir entwickeln möchten. Nicht weil jemand etwas von ihnen verlangt, sondern weil sie selbst erkennen, was möglich ist.“

Erfolg und Niederlage haben denselben Wert

Nach der unglücklichen 76:81-Niederlage nach Verlängerung gegen Crailsheim stand in der vergangenen Trainingswoche erstmals eine gemeinsame Videoanalyse auf dem Programm.

Dabei ging es dem Trainerteam ausdrücklich nicht darum, Schuldige für die Niederlage zu finden. Vielmehr sollten die Spieler lernen, ihr eigenes Handeln bewusster wahrzunehmen und zu verstehen, welche Entscheidungen zu erfolgreichen Spielsituationen führen.

„Wir haben gesellschaftlich häufig gelernt, Niederlagen zu analysieren und Erfolge zu feiern. Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir nach den Gründen. Wenn wir erfolgreich sind, genießen wir die Anerkennung. Aber warum beschäftigen wir uns nicht genauso intensiv damit, warum etwas funktioniert hat?“, erklärt Wenzel.

Für den Kirchheimer Trainer ist dies eine grundlegende Frage in der Entwicklung junger Menschen.

„Für mich haben Erfolg und Niederlage denselben Wert. Beides bietet uns die Möglichkeit, etwas über uns selbst zu lernen. Wenn wir nur nach Niederlagen anfangen, intensiver zu arbeiten, machen wir unsere Entwicklung vom Ergebnis abhängig. Ich möchte aber, dass unsere Jungs verstehen, dass Entwicklung ein kontinuierlicher Prozess ist.“

Genau deshalb betrachtet Wenzel die Niederlage gegen Crailsheim nicht als Rückschritt.

„Das Ergebnis hat nicht gepasst. Aber wir haben unglaublich viel daraus gelernt. Und wenn wir aus einer Erfahrung lernen, dann war sie ein Schritt in die richtige Richtung.“

Nach ausgeglichener erster Halbzeit folgt die Entscheidung

Gegen Ulm entwickelte sich zunächst eine ausgeglichene Begegnung. Nach dem ersten Viertel führten die Kirchheimer knapp mit 20:19, zur Halbzeit stand es 42:41.

Vor allem Ballverluste und zugelassene Offensivrebounds machten den Gastgebern zu schaffen. Die Ulmer erhielten dadurch immer wieder zusätzliche Angriffsmöglichkeiten.

In der Halbzeitpause sprach Wenzel diese Probleme deutlich an.

„Wir haben den Jungs gesagt, dass wir uns durch unsere individuelle Qualität im Spiel halten. Aber wenn wir dem Gegner ständig zusätzliche Ballbesitze ermöglichen, wird es schwierig. Es geht nicht darum, auf einmal alles verändern zu wollen. Manchmal müssen wir uns auf eine entscheidende Stellschraube konzentrieren.“

Die Mannschaft zeigte anschließend eine beeindruckende Reaktion.

Mit aggressiverer Verteidigung, zahlreichen erzwungenen Ballverlusten und deutlich höherer Intensität entschieden die Knights das dritte Viertel mit 32:12 für sich.

Aus der knappen Halbzeitführung wurde ein komfortabler Vorsprung von 74:53. Auch im Schlussabschnitt ließen die Kirchheimer nicht nach und brachten den 99:74-Erfolg souverän ins Ziel.

„Wir hatten bereits gegen Crailsheim gezeigt, dass wir starke Phasen spielen können. Dort ist es uns allerdings nicht gelungen, unsere Leistung über die gesamte Spielzeit aufrechtzuerhalten. Gegen Ulm haben wir nach der Halbzeit noch einmal zugelegt und diesen Vorsprung konsequent verteidigt. Das ist für mich ein klarer Entwicklungsschritt.“

Eine Baustelle bleibt dennoch bestehen: das Reboundverhalten.

„Wir haben auch gegen Ulm das Reboundduell verloren. Daran müssen wir weiterarbeiten. Aber Entwicklung bedeutet nicht, dass von heute auf morgen alles funktioniert. Entscheidend ist, dass wir unsere Aufgaben erkennen und kontinuierlich daran arbeiten.“

Milo Korkor mit außergewöhnlicher Leistung – die Mannschaft als Grundlage

Ein besonderes Ausrufezeichen setzte Milo Korkor. Mit 48 Punkten, zwölf erfolgreichen Dreipunktewürfen bei 17 Versuchen und zwölf Ballgewinnen zeigte der Kirchheimer eine außergewöhnliche Leistung.

Nach drei Saisonspielen steht Korkor bereits bei 120 Punkten und damit bei einem Schnitt von 40 Punkten pro Begegnung.

Für Wenzel liegt die bemerkenswerteste Entwicklung seines Spielers jedoch nicht ausschließlich in dessen offensiven Fähigkeiten.

„Milo hat in den vergangenen Wochen einen enormen Entwicklungsschritt gemacht. Wir haben viel darüber gesprochen, dass ein Spieler, der offensiv so viel Verantwortung übernimmt, auch defensiv für seine Mannschaft da sein muss. Genau das hat er gegen Ulm eindrucksvoll gezeigt.“

Dabei betont der Trainer ausdrücklich den Anteil der gesamten Mannschaft.

„Wenn ein Spieler 48 Punkte erzielt, dann ist das niemals nur seine eigene Leistung. Seine Mitspieler arbeiten für ihn, schaffen Räume, treffen Entscheidungen und geben ihm das Vertrauen, diese Würfe zu nehmen. Gleichzeitig hat Milo verstanden, dass er auch für seine Mitspieler arbeiten muss. Genau darum geht es in einer Mannschaft.“

Insgesamt verzeichneten die Kirchheimer 28 Ballgewinne und unterstrichen damit ihre aggressive Verteidigungsarbeit.

Vom Außenseiter zum ernst zu nehmenden Gegner

Mit zwei Siegen aus drei Spielen und dem zweiten Tabellenplatz in ihrer Gruppe haben die Kirchheimer als Aufsteiger einen bemerkenswerten Saisonstart hingelegt.

Noch vor wenigen Wochen war die Mannschaft gegen etablierte Jugendbundesligisten wie Urspring deutlich unterlegen. Inzwischen begegnen die Knights renommierten Nachwuchsprogrammen auf Augenhöhe.

Dabei befindet sich das Team erst seit wenigen Monaten in seiner aktuellen Entwicklung.

„Wenn ich sehe, wo wir vor drei Monaten standen und wo wir heute stehen, dann können wir unglaublich stolz auf die Jungs sein. Gleichzeitig sehe ich noch unglaublich viel Potenzial in dieser Mannschaft“, erklärt Wenzel.

Seine Einschätzung fällt dabei überraschend deutlich aus.

„Ich glaube, wir haben vielleicht gerade einmal 15 Prozent unseres möglichen Potenzials ausgeschöpft. Das soll nicht bedeuten, dass ich mit der bisherigen Leistung unzufrieden bin. Ganz im Gegenteil. Es zeigt, wie viel ich dieser Mannschaft noch zutraue.“

Besonders erfreulich sei die Entwicklung des gesamten Kaders. In jeder Begegnung konnten andere Spieler Verantwortung übernehmen und sich in neuen Rollen beweisen.

Auch die wechselnden Starting Fives unterstreichen die Vielseitigkeit der jungen Kirchheimer Mannschaft.

„Wir entwickeln nicht nur einzelne Spieler. Wir entwickeln eine Mannschaft. Die Jungs lernen, füreinander einzustehen, Verantwortung zu übernehmen und sich gegenseitig besser zu machen. Genau das ist unser Anspruch.“

Anerkennung aus Ulm für die Kirchheimer Nachwuchsarbeit

Eine besondere Wertschätzung erhielt die Kirchheimer Mannschaft nach Spielende auch vom gegnerischen Trainerteam.

Die Ulmer Verantwortlichen lobten die Entwicklung und Spielweise der Knights und äußerten sich anerkennend über die geleistete Nachwuchsarbeit.

Für Wenzel hat diese Rückmeldung einen besonderen Stellenwert.

„Ulm gehört seit vielen Jahren zu den bedeutenden Nachwuchsstandorten im deutschen Basketball. Dort wurden zahlreiche Spieler auf ihrem Weg in den Profisport begleitet. Wenn man von Menschen, die seit Jahren auf diesem Niveau arbeiten, eine solche Rückmeldung bekommt, dann ist das ein großes Kompliment.“

Dabei betont der Kirchheimer Trainer die unterschiedlichen Voraussetzungen beider Standorte.

„Wir arbeiten hier mit Spielern aus unserer Region, die zum großen Teil seit Jahren im Verein ausgebildet werden. Wir haben andere Möglichkeiten als die großen Nachwuchsprogramme. Aber genau deshalb dürfen wir auf das, was hier entsteht, sehr stolz sein.“

Sein Dank gilt ausdrücklich allen Beteiligten.

„Diese Anerkennung gehört nicht nur der aktuellen Mannschaft oder dem Trainerteam. Sie gehört auch den Trainern, die diese Jungs in den vergangenen Jahren begleitet und ausgebildet haben. Sie gehört unserem Verein, unseren Partnern, Förderern und allen Menschen, die dieses Projekt unterstützen. Ohne sie wäre diese Entwicklung nicht möglich.“

Der nächste Schritt wartet bereits

Nach Abschluss der ersten Gruppenphase richtet sich der Blick nun auf die kommenden Herausforderungen. Mit Heidelberg, Crailsheim und Südwesthessen warten weitere anspruchsvolle Gegner auf die Kirchheimer.

Zunächst steht ein Qualifikationsturnier an, bei dem die Knights den nächsten sportlichen Schritt innerhalb der Jugendbundesliga machen möchten. Die genauen Informationen zu Austragungsort und Spielplan stehen noch aus.

Dass die Mannschaft dabei ambitionierte Ziele verfolgt, daraus macht Wenzel keinen Hehl.

„Natürlich wollen wir erfolgreich sein. Natürlich wollen wir uns mit den Besten messen. Aber wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und wie jung dieser Prozess noch ist.“

Entscheidend sei, auch nach einem deutlichen Sieg wie gegen Ulm die eigene Haltung beizubehalten.

„Wir dürfen nicht anfangen, weniger zu arbeiten, nur weil wir gewonnen haben. Genauso wenig müssen wir nach einer Niederlage plötzlich alles infrage stellen. Unsere Entwicklung darf nicht davon abhängig sein, ob am Ende ein Sieg oder eine Niederlage steht.“

Für den Kirchheimer Trainer geht es deshalb um weit mehr als die sportliche Ausbildung seiner Spieler.

„Wir arbeiten mit jungen Menschen. Natürlich möchten wir sie zu besseren Basketballspielern machen. Aber vor allem möchten wir ihnen etwas mitgeben, das sie auch außerhalb des Sports begleitet. Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, sich selbst zu reflektieren und zu erkennen, welches Potenzial in ihnen steckt.“

Und genau darin sieht Wenzel die Grundlage für den weiteren Weg seiner Mannschaft:

„Nicht das Ergebnis bestimmt unsere Entwicklung. Unsere Haltung bestimmt, wie wir uns entwickeln – und irgendwann auch unsere Ergebnisse.“

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JBBL – 25. Oktober 2026

VfL Kirchheim Knights – ratiopharm ulm 99:74

Viertelergebnisse: 20:19 | 22:22 | 32:12 | 25:21